Novelliertes KWK-Gesetz schafft mehr Spielräume für Mieterstrommodelle

Berlin
6. Januar 2016

Zum 1. Januar 2016 ist die Neuregelung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes bundesweit in Kraft getreten. Das unter Federführung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi) erarbeitete Gesetz soll zu einem Ausbau großer, mittlerer und kleiner KWK-Anlagen und einer Erhöhung der Nettostromerzeugung aus diesen Anlagen auf 120 Terrawattstunden pro Jahr bis 2025 führen.

Der Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW hat sich im Verbund mit dem Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD), der deneff sowie weiterer Verbände erfolgreich für die Stärkung von sogenannten „Mieterstrommodellen“ eingesetzt, bei denen Mieterinnen und Mietern der in Blockheizkraftwerken (BHKW) vor Ort erzeugte Strom zu günstigen Konditionen angeboten werden kann.

Im überarbeiteten KWK-Gesetz werden diese Modelle – entgegen ersten Absichten aus dem BMWi – nun doch besser gefördert als geplant. Es bietet die Chance, auch in Wohngebäuden und Stadtquartieren BHKW zu installieren, in denen der Betrieb bisher wirtschaftlich kaum zu realisieren war. „Auf der Grundlage dieses Gesetzes ist es weiterhin möglich, BHKW in Gebäuden und Stadtquartieren zu errichten und wirtschaftlich zu betreiben. Damit ist eine wichtige Voraussetzung geschaffen, insbesondere in Städten und Ballungsräumen die kommunalen Klimaschutzziele der kommenden Jahrzehnte zu erreichen“, erklärte der eaD-Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführer der Berliner Energieagentur, Michael Geißler.

Nach dem neuen Gesetz erhält der Betreiber eines BHKW für jede in das öffentliche Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde einen Zuschlag in Höhe von 8 Cent bei Anlagen mit einer Leistung unter 50 kW (bisher 5,41 Cent). Bei größeren Anlagen reduziert sich dieser Zuschlag auf 6 Cent (50 bis 100 kW), 5 Cent (100 bis 250 kW), 4,4 Cent (250 kW bis 2 MW) und 3,1 Cent (größer als 2 MW). In allen diesen Klassen liegen die Fördersätze 1 bis 2 Cent über den bisherigen Tarifen.

Zugleich erhält der Anlagenbetreiber weiterhin einen Zuschlag für die erzeugten Kilowattstunden Strom, die im Gebäude selbst verbraucht und an Mieter oder andere Wohnungsnutzer vermarktet werden. Diese Zuschläge wurden leicht reduziert und betragen ab jetzt 4 Cent (bis 50 kW), 3 Cent (50 – 100 kW), 2 Cent (100 bis 250 kW), 1,5 Cent (250 kW bis 2 MW) und 1 Cent (größer als 2 MW). Verändert wurde bei den Mini-BHKW unter 50 kW die Förderdauer von bisher 10 Jahren auf nunmehr 60.000 Vollbenutzungsstunden, was je nach Auslastung und Fahrweise eines BHKW einer Betriebsdauer von 9 bis 12 Jahren entsprechen dürfte. Bei den größeren Anlagen blieb die Dauer der Förderung mit 30.000 Vollbenutzungsstunden unverändert.

Summa summarum führen die Anhebungen bei der Netzeinspeisung sowie die leichten Kürzungen beim Eigenverbrauch in allen Anlagenklassen zu einer besseren Wirtschaftlichkeit, da beim wärmegeführten Betrieb eines BHKW wegen der Ungleichzeitigkeit von Erzeugung und Verbrauch eine Mischkalkulation aus Netzeinspeisung und Eigenverbrauch notwendig ist. Auch sind weiterhin Anreize gesetzt, die Anlagen so zu konfigurieren, dass sie ihre Energieeffizienz- und damit Klimaschutzeffekte optimal ausspielen können.