Elektromobilität fährt auf leisen Reifen vor

Der Elektro‐LKW Terberg YT202-EV Den Sonnenstrom für den Elektro-LKW lieferte eine Photovoltaikanlage der Berliner Energieagentur. (Foto: TH Wildau)
Berlin
30. September 2016

Beim Forschungsprojekt KV-E-Chain wurde erstmals eine gesamte Lieferkette mit hohem Fernverkehrsanteil und großer Nutzlast komplett elektrifiziert dargestellt. Durch den Einsatz eines mit Solarstrom gespeisten Elektro-LKW wurden rund 10 Prozent des gesamten Energieverbrauchs eingespart. Geliefert hat den Sonnenstrom eine Photovoltaikanlage der Berliner Energieagentur (BEA).

Im Berliner Westhafen fahren schon jetzt Zukunftslösungen für den elektromobilen Güterverkehr vor. Dort haben im Rahmen des Forschungsprojekts KV-E-Chain die Technische Hochschule Wildau (TH Wildau) in Kooperation mit der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft (BEHALA), der Berliner Energieagentur (BEA) sowie DHL-Logistik erprobt, wie eine geschlossene, elektrifizierte Transportkette funktionieren kann.

Während die Bahn schon seit 150 Jahren elektromobil ist, werden Waren im Nahverkehr vorwiegend mit Diesel‐LKW transportiert. „Das Ziel von KV-E-Chain war deshalb, auch die ‚letzte Meile‘ des Transportweges zu elektrifizieren, hierfür die Nutzung von Solarstrom zu testen und neue Geschäftskonzepte in der City-Logistik zu entwickeln“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Herbert Sonntag, Projektleiter von KV-E-Chain und Leiter der Forschungsgruppe Verkehrslogistik an der TH Wildau.

Perfektes Tandem: E-Mobilität und Solarstrom

Für die praktische Umsetzung wurde ein Elektro-LKW eingesetzt, der ambitionierten technischen Herausforderungen gerecht werden musste. Immerhin werden in den Lieferketten am Berliner Westhafen Güter in bis zu 30 Tonnen schwere Container und Wechselbrücken verteilt. Speziell für das Projekt wurde deshalb der damals größte Elektro‐LKW mit Straßenzulassung gebaut – der Terberg YT202-EV.

Den umweltfreundlichen Solarstrom für den Elektro-Truck lieferte die Berliner Energieagentur (BEA), die auf dem Dach des Berliner Westhafens eine Photovoltaikanlage betreibt. Die BEHALA beschaffte und betrieb den E-LKW und stellte eine Vergleichsflotte aus konventionellen, dieselbetriebenen LKW zur Verfügung.Der vierte Projektpartner von KV-E-Chain – DHL – stellte mit einer Bahnverbindung von Unna nach Berlin den Langstreckenteil der Transportkette dar.

Positive Bilanz für den Elektro-Brummi

Nach drei Jahren fällt die Bilanz des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Forschungsprojektes mit dem kniffligen Namen recht griffig aus: „Der 40-Tonner erzielt Reichweiten von 30 bis 60 Kilometern und weist so für den städtischen Lieferverkehr kaum Nachteile gegenüber LKWs mit konventionellen Antrieben auf“, erklärt BEHALA-Geschäftsführer Peter Stäblein. Noch besser: Durch den Einsatz des Elektro-LKW auf dem letzten Teilstück der Transportkette vom Westhafen zum Kunden (13,8 km) verringert sich der Energieverbrauch für den Transport von einer Tonne Fracht über die gesamte Transportkette (483 km) um 9,3 Prozent. Durch die Verwendung von Solarstrom sinken die CO2-Emissionen sogar auf null. Deshalb wird der Elektro-Brummi auch nach Projektende weiter Frachtgut verteilen.

„Elektromobilität  und Strom aus erneuerbaren Energiequellen sind ein zukunftsweisendes Tandem mit großem Potenzial für die Reduzierung von Kohlendioxidemissionen und der Erreichung von Klimaschutzzielen“, sagt BEA-Geschäftsführer Michael Geißler. Das Projekt KV-E-Chain zeigt, dass der Weg in eine elektromobile, umweltfreundliche Zukunft für den Güterverkehr nicht mehr weit entfernt ist.

Weitere Information unter: kvechain.de.