Energiespar-Contracting ermöglicht 700 Millionen Euro Heiz- und Stromkosteneinsparung

Berlin
1. August 2013
  • Analyse der Berliner Energieagentur zeigt Potenziale für Energiedienstleistungen in Deutschland auf
  • Informationsdefizite und bürokratische Hemmnisse erschweren die Marktentwicklung in ganz Europa
  • Private Energiedienstleister müssen leichteren Zugang zu Fördermitteln bekommen

Die öffentliche Hand, Krankenhausbetreiber und andere Eigentümer großer Liegenschaften könnten bis zum Jahr 2020 rund 700 Millionen Euro Energiekosten einsparen. Voraussetzung wäre die stärkere Nutzung von Energiespar-Contracting (ESC), einer Vertragspartnerschaft zwischen Gebäudeeigentümer und Energiedienstleister zur Reduzierung der Heiz- und Stromkosten.

Nach einer Abschätzung der Berliner Energieagentur (BEA) im Rahmen des EU-Projektes CombineES müsste der Umsatz von Energiedienstleistungsunternehmen im Marktsegment ESC von derzeit 60 bis 150 Millionen Euro pro Jahr auf sechs Milliarden Euro bis 2020 steigen, um dieses Einsparziel von 700 Millionen Euro zu erreichen. Bei einer Fortschreibung der bisherigen Entwicklung ist bis 2020 jedoch ein Anstieg auf lediglich 300 Millionen Euro mit entsprechend geringeren Energieeinsparungen zu erwarten.

Obwohl Deutschland im europäischen Vergleich den am weitesten entwickelten Markt für Energiedienstleistungen hat, werden die Potenziale auch hier noch längst nicht ausgeschöpft. Die größten Anteile am Marktvolumen haben derzeit die öffentliche Hand (ca. 50 Prozent) und Krankenhäuser (26 Prozent). Grundlage der BEA-Analyse sind vorrangig statistische Veröffentlichungen im Europäischen Amtsblatt sowie eine schriftliche Befragung von Energiedienstleistungsunternehmen.

Bessere Einbindung in Förderprogramme notwendig

Um den ESC-Markt voranzubringen und das ambitionierte Szenario der Marktabschätzung zu erreichen, müssen nach Auffassung der BEA vor allem Informationsdefizite bei Entscheidungsträgern und existierende Unsicherheiten im Zusammenhang mit öffentlichen Vergaberichtlinien beseitigt werden. Außerdem ist es für eine Marktbelebung notwendig, ESC-Projekte besser in vorhandene  Förderprogramme einzubinden. Insbesondere der Modernisierungsstau bei der öffentlichen Hand könnte so abgebaut werden. Ziel des EU-Projektes CombinES ist es, innovative Finanzierungsmodelle wie ESC und öffentliche Förderprogramme miteinander zu kombinieren.

Im Rahmen eines ESC-Vertrages mit einem Energiedienstleister erzielt ein Gebäudeeigentümer hohe Energiekosteneinsparungen, ohne selbst investieren und eigenes Know-how aufbauen zu müssen. Der Dienstleister gibt zu Beginn der auf 10-15 Jahre angelegten Partnerschaft eine Einspargarantie auf der Basis des aktuellen Energiever-brauches ab. Die durch den Energiedienstleister erzielten Verbrauchs- und Kosteneinsparungen werden nach einem vertraglich festgelegten Schlüssel zwischen beiden Partnern aufgeteilt. Sie dienen in erster Linie zur Refinanzierung der Anfangsinvestitionen. In Deutschland werden nach Einschätzung der BEA durchschnittlich 25 Prozent des Energieverbrauches in einem ESC-Projekt eingespart.

Weitere Informationen zum Projekt CombinES finden Sie auf der Webseite www.combines-ce.eu.