Energiesparpotenziale von KMU heben

Interview mit Frederik Lottje, Projektleiter bei der Berliner Energieagentur 

Foto: Kirstin Karotki

Am 1. September ist das europaweite Projekt GEAR@SME gestartet, das durch das EU-Förderprogramm Horizon 2020 gefördert wird. Die Berliner Energieagentur (BEA) ist Partner in dem Projekt und verantwortet die Umsetzung in Deutschland. Frederik Lottje leitet das Projekt bei der BEA.

Herr Lottje, worum geht es bei dem Programm Gear@SME?

Die 25 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in der Europäischen Union haben mit Blick auf Klima- und Energiesparziele bisher eine untergeordnete Rolle gespielt. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Energieverbrauch dieser Unternehmen heruntergebrochen auf jedes einzelne meist nur gering ist – beispielsweise im Vergleich zu großen industriellen Produktionsanlagen. Zusammengenommen ergeben sich aber erhebliche Energiesparpotenziale. Denn in der Summe sind KMU laut Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) für 13 Prozent des europäischen Energieverbrauchs verantwortlich. Die IEA hat berechnet, dass durch entsprechende Maßnahmen gut 30 Prozent dieses Energieverbrauchs eingespart werden könnten. Genau an dieser Stelle setzt das EU-Programm Gear@SME an. Es soll helfen, diese großen Potenziale zu heben.

Welchen Ansatz verfolgt Gear@SME?

Die Hindernisse für KMU, in Energieeffizienzmaßnahmen zu investieren, sind allgemein bekannt. Probleme wie der Mangel an Fachwissen, aber auch Mangel an Zeit und Kapital verhindern trotz der Förderungvon Energieaudits häufig, dass die KMU Energiesparmaßnahmen aus sich heraus umsetzen oder Zugang zum Energiedienstleistungsmarkt erhalten. Gear@SME möchte beispielhaft aufzeigen, wie sich KMU zusammenschließen können, um die beschriebenen Hindernisse zu überbrücken. Dafür soll vornehmlich mit Partnern zusammengearbeitet werden, die Zugang zu gleich mehreren KMU haben und die Erfordernisse sowie Bedürfnisse der KMU kennen. Ganz konkret sind dies in Deutschland beispielsweise die Betreiber von Gewerbeparks, auf denen sich zahlreiche kleine Unternehmen angesiedelt haben. Die Energiesparkonzepte können dann für jedes einzelne Unternehmen individuell ausgearbeitet werden. Gear@SME ist in zahlreichen EU-Ländern aktiv – auch um die unterschiedlichen Bedingungen vor Ort besser kennenlernen und maßgeschneiderte Lösungen entwickeln zu können.

Welche Rolle spielt die BEA?

Die BEA ist Partner in dem Projekt und verantwortet die Umsetzung in Deutschland. Wichtig dabei ist, dass die BEA bei Gear@SME ihre langjährigen nationalen und internationalen Erfahrungen im Bereich der Energieberatung und energetischen Sanierung einbringen kann. Wir werden dabei unseren Arbeitsschwerpunkt auf die Umsetzung des Projektes in Gewerbegebieten legen, um damit – neben der Hebung von Effizienzpotenzialen in Einzelunternehmen – Einsparungen durch gemeinsame Projekte zwischen KMU zu prüfen. Eine gute Grundlage hierfür war unter anderem eine Studie zu klimaneutralen Gewerbegebieten, die die BEA im Auftrag der Senatsverwaltung 2019 abgeschlossen hat. Darüber hinaus ist die BEA für das Schwerpunktthema Kommunikation zuständig. Wir sind strategisch dafür verantwortlich, wie möglichst viele für das Projekt relevante Akteure angesprochen und eingebunden werden können.