Drei Fragen an Senatorin Ute Bonde
Ute Bonde ist Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) in Berlin. Mit der Wärmewendeagentur hat ihre Senatsverwaltung im Juni 2026 eine Anlaufstelle für die Berliner Bürgerinnen und Bürger rund um das Thema Wärmewende auf den Weg gebracht. Durchführender Partner ist die Berliner Energieagentur.
Sehr geehrte Frau Senatorin, Sie haben diesen Sommer den Berliner Wärmeplan verabschiedet. Wie lief der Prozess und welche Bedeutung hat dieser für die Wärmwende in Berlin?
Mit dem Berliner Wärmeplan liegt nun ein strategischer Rahmen für die städtische Wärmewende vor. Bei der Erstellung saßen alle relevanten Akteure mit am Tisch. Die gute Zusammenarbeit war ausschlaggebend für diesen umfassenden Plan. Dafür möchte ich mich noch einmal bei allen Beteiligten bedanken.
Der Wärmeplan gibt eine erste, noch nicht verbindliche Orientierungshilfe, welche Wärmeversorgungsarten in einem Gebiet aktuell vorliegen und welche zukünftig vor Ort in Frage kommen. In der digitalen Wärmekarte kann jeder - aber vor allem alle Gebäudeeigentümerinnen und -eigentümer – ihre Häuser suchen, sich über die Möglichkeiten der Versorgungsraten informieren, um technologieoffen die beste Entscheidung für Ihre Wärmeversorgung treffen.
Der Wärmeplan enthält jedoch keine gebäudespezifischen Informationen und kann eine individuelle Beratung und Planung nicht ersetzen. Der nächste Schritt ist daher der Kontakt zur neuen Wärmewendeagentur.
Im Rahmen des Wärmeplans haben Sie auch die Wärmewendeagentur auf den Weg gebracht. Wo ordnet sich diese Agentur in das bisherige Beratungsangebot ein und wer kann sich an sie wenden?
Der Gebäudesektor verursacht bislang 40 Prozent der CO2-Emissionen in Berlin. Doch nur sechs Prozent der Wärmeerzeugung sind erneuerbar. Hier wollen wir weiter vorankommen. Unter dem Dach der Berliner Energieagentur und finanziert von der SenMVKU entsteht mit der Wärmewendeagentur die zentrale Anlaufstelle für private und öffentliche Eigentümer von Gebäuden und Anlagen in Berlin. Sie unterstützt einerseits Bezirke und öffentliche Einrichtungen dabei, ihre Liegenschaften zu dekarbonisieren. Andererseits ist sie der richtige Ansprechpartner für Eigentümer- und Anwohnerinitiativen, die Unterstützung bei der Entwicklung von Quartierslösungen benötigen. Wer eine Erstberatung zu einem privaten Einzelgebäude, einem Mehrfamilienhaus oder einer Wohnungseigentümergemeinschaft benötigt, kann sich an die Agentur wenden.
Die Wärmewende ist ein enormes Transformationsprojekt für die gesamte Stadt. Welche Aufgaben kommen auf die Wärmewendeagentur zu?
Die Wärmewendeagentur ist die Erstanlaufstation für die Wärmewende. Sie bietet umfassende Informationen und kostenfreie Beratung zu der allgemeinen Wärmeversorgung, Fördermitteln und gesetzlichen Vorgaben im Rahmen der Wärmewende. Die Agentur setzt mit ihrem breiten Portfolio vor der konkreten Planung und Umsetzung von Projekten an. Darüber hinaus bietet sie zahlreiche Vernetzungsoptionen an, um Nachbarschaften miteinander zu verbinden. So wollen wir den nachbarschaftlichen Zusammenschluss erleichtern und Quartieransätze fördern. Vergangene Projekte haben gezeigt, dass hier ein großer Beratungsbedarf besteht. Eine individuelle Planung oder Umsetzung von Bauprojekten, eine Rechtsberatung sowie die Beantragung von Fördermittel, kann sie leider nicht leisten. Hierzu vermittelt die Agentur gern an die richtigen Ansprechpartner.
Die Wärmewendeagentur soll dabei unterstützen, Projekte schneller umsetzen. Wie kann das konkret aussehen?
Mit dem Wärmeplan steht der strategische Pfad bis 2045 fest. Nun ist es entscheidend, von der Planung möglichst schnell in die Umsetzung zu kommen. Hier kann die Wärmewendeagentur ansetzen. Als zentrale Anlaufstelle spart sie viele unnötige Wege, bietet gebündelte Informationen, zeigt Best-Practice Beispiele auf und gibt übersichtliche Orientierung zu den passenden Förderungen. Das spart jede Menge Zeit. So bringen wir die Wärmewende voran.
Das Interview war bereits im Rahmen des BEA-Newsletters "Energie-Navigator" im September erschienen.
Foto: @Marc Vorwerk